ZUR SACHE: Ziegelei Wedeking von den Toten auferstanden?

Totgesagte leben offenbar doch länger: Viele Blomberger hatten schon geglaubt, die Ziegelbrennerei in Blomberg wäre ein für alle Mal am Ende. Ein Irrtum, wie sich jetzt herausstellte, denn mit der jetzt erteilten Genehmigung für das Brennen von Klinkern scheint die Fabrikation jetzt wieder auferstehen zu wollen, frei nach dem Motto: "Zwing' Ziegel raus, zwing' Klinker rein."

Ein geschickter Schachzug des Staatlichen Umweltamtes Minden (StUA): Ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit, wo alle Welt mit den Vorbereitungen zum bevorstehenden Fest ausgelastet ist, verschickten die Mindener Umweltbürokraten ihren Genehmigungsbescheid zur (Neu-)Errichtung und zum Betrieb einer Klinkerfabrikation an den Antragsteller Otto Bergmann. Parallel erfolgte die Information derjenigen Personen, die bereits in früheren Jahren im Verfahren Einwendungen gegen Bergmanns Pläne erhoben hatten.

Selbstverständlich ist dabei allen formalen Auflagen Genüge getan. Der ausführliche Text des Genehmigungsbescheides wird für 2 Wochen bis zum 27.12.00 im städtischen Bauamt ausgelegt oder kann direkt beim StUA angefordert werden, ganz so, als ob die betroffenen Bürger über die Feiertage Lust bekommen könnten, sich den Text des Genehmigungsbescheides zwischen buntem Teller und Christbaum reinzuziehen. Weihnachten einmal anders ...
Und da zunehmend mehr Leute über die Feiertage bis ins neue Jahr hinein Urlaub machen, ergibt sich für das StUA der angenehme Nebeneffekt, dass bis zum Ablauf der Widerspruchsfrist Anfang Januar 2001 nicht mehr viel Zeit für die kritische Betrachtung der Genehmigungsunterlagen bleiben wird.

Alles in Allem: Durch die geschickte Wahl des Zeitpunktes können sich die Umweltbeamten in Minden relativ sicher sein, dass Widersprüche von Bürgerseite nicht allzu zahlreich eintrudeln werden. Es kommt halt immer aufs richtige Timing an ...

Aber auch der Antragsteller Otto Bergmann hat einen geschickten Schachzug getan, indem er neben seinem Projekt "Einkaufsmarkt" einen neuen Nebenkriegsschauplatz "Ziegeleiproduktion" aufmachte. Wenn der Einkaufsmarkt von der Politik nicht genehmigt werden sollte, will er ersatzweise seine Ziegeleipläne verfolgen. Ob nun diese "Drohung" wirklich nur Bluff ist oder ob ein reales Ziel dahinter steht, ist für Außenstehende kaum zu beurteilen, ohne Bergmanns finanzielle Kalkulationsgrundlage zu kennen. Dr. Pilgrim könnte sich schwer täuschen, wenn er laut LZ-Artikel glaubt, dass Bergmann nicht wieder in Blomberg produzieren werde. Denn: Wenn Bergmann ein Geschäft beherrscht, dann ist es das Ziegeleigeschäft.

Sollte aber das eigentliche Interesse der Familie Bergmann auf den Einkaufsmarkt gerichtet sein, so ist jedenfalls mit der "angedrohten" Klinkerproduktion ein hervorragendes Druckmittel geschaffen worden, um dieses Ziel zu erreichen. Dass dieses Druckmittel offenbar seine Wirkung nicht verfehlt, zeigen die aktuellen Signale der Blomberger SPD und ihrer Gallionsfigur Dr. Pilgrim. Man ist in SPD-Kreisen nicht abgeneigt, einem Einkaufsmarkt zuzustimmen, hält sich aber noch ein Hintertürchen in Form des kommenden Einzelhandelsgutachtens offen.

Natürlich weiß auch die SPD, dass ein Einkaufsmarkt bei der Mehrheit der Blomberger Bevölkerung besonders bei der Klientel auf dem Hamburger Berg gut ankommen würde. Hingegen würde ein wiederbelebter Ziegeleibetrieb am Fuße des Hamburger Berges bei den Anrainern wohl kaum auf große Gegenliebe stoßen. Die Lösung "Einkaufsmarkt" hätte zudem den Vorteil, dass die Bebauungsgrenze näher an die ehemalige Ziegelei heranrücken könnte. Auf diese Weise könnte die städtische BIG noch ein paar Grundstücke mehr verticken.

Sollte das Einzelhandelsgutachten also grünes Licht für den Einkaufsmarkt geben, so gehört nicht viel Prophetie dazu, die Entscheidung der Mehrheitsfraktionen SPD/FDP vorauszusagen. Wetten, dass?


G. Staubach, 14.12.00