LZ vom Mittwoch, 24.01.01:

Rennstrecke als Wirtschaftsmotor

"Westfalenring" soll in Schieder-Schwalenbergs Nachbarschaft entstehen

Schieder-Schwalenberg/Steinheim (an). Eine Autorennstrecke la Hockenheim in Ostwestfalen/Lippe? Da mag manch einer nur den Kopf schütteln. Doch ein "Westfalenring" als Wirtschaftsmotor ist für den Schiederaner Andy Pohl keine Utopie. Er und sechs Mitstreiter machen sich für einen Freizeit- und Technologiepark im Bereich Steinheim stark. Was Wirtschaftsstrategen begrüßen mögen, versetzt die direkten Anlieger in Angst und Schrecken. In Hagedorn und Umgebung kocht die Volksseele, seit die Pläne ruchbar wurden.

Vor etwa eineinhalb Jahren hat sich in Lippe und Höxter eine Gruppe von Menschen aus verschiedenen Berufssparten zusammengeschlossen, denen ein "Westfalenring" wie der Stein der Weisen, wie ein ganz neuer Motor der heimischen Wirtschaft vorkommt. Wer sie sind, wollen sie derzeit noch nicht an die große Glocke hängen; einzig Andy Pohl tritt für die frisch gegründete Firma "Projekt Genesis Westfalenring AG" an die Öffentlichkeit. Er stieß vor einem dreiviertel Jahr zu der Runde und ist von der Sache überzeugt: "Es handelt sich sicher um ein kühnes Projekt, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Aber ich glaube daran." Die Region habe große Probleme, der Tourismus liege darnieder, und ganze Branchen drohen wegzubrechen. Lösung all dieser Probleme ist aus Sicht der Initiatoren ein Freizeit- und Technologiepark, ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von sage und schreibe 200 bis 300 Millionen Mark.

Eine komplette Branche soll sich neu vor den Toren Steinheims ansiedeln. "Im Umkreis von 250 Kilometern gibt es nichts Vergleichbares." Dabei geht es zu aller Letzt um die Formel eins. In erster Linie soll die Autobranche angelockt werden: Teststrecken für Automobilfirmen, ein Verkehrssicherheitszentrum, Freizeitanlagen, ein Motocrossgelände und vieles mehr soll neben der eigentlichen Rennschleife auf einem 310 Hektar großen Ackergelände unterhalb des Stoppelberges entstehen. Hier könnten auch große Open Air-Festivals stattfinden. Mögliche Investoren hat die Firma bereits in der Hinterhand, so Pohl, aber auch nennt er keine Namen. Vorgespräche auf politischer Ebene wurden bereits mit den Landräten aus Höxter und Lippe sowie mit Steinheimer Politikern geführt, die Bauvoranfrage soll im Februar gestellt werden. Genehmigungsbehörde ist die Bezirksregierung Detmold.

"Die Reaktion war überall positiv lediglich bei den Grünen regt sich Protest", fasst Andy Pohl zusammen. Die Angst, hier werde die Umwelt verpestet, kann er zwar verstehen, aber: "Es geht hier nicht um Krach, sondern um High-Tech." Das tröstet die Menschen aus Hagedorn und Ruensiek nicht, hier grassiert blanke Panik: "Es gibt so viele junge Familien, die sich extra hier in der ländlichen Ruhe niedergelassen haben. Für die ist so ein Ring eine totale Horrorvorstellung", berichtet die Hagedornerin Heike Schäfers. "Das beeinträchtigt doch die gesamte Region.""Wir werden das nicht zulassen", kündigt sie an.

Und so soll bereits am Donnerstag, 1. Februar, im Alten Krug in Ruensiek ab 20 Uhr eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen werden.