LZ vom Montag, 21.08.00:

Autofreie "Mode" nicht mitmachen

Europaweiter autofreier Tag: Sperrung der Kernstadt findet keine Mehrheit

Blomberg (sb). Blombergs City frei von Autos, und das an einem Freitag für die einen das reinste Horrorszenario, für die anderen eine Maßnahme mit Appellcharakter. Am Ende lehnten die Politiker in einer gemeinsamen Sitzung von Bau- und Umweltausschuss den von den Grünen beantragten "autofreien Tag" mehrheitlich ab.

Der grüne Fraktionschef Hans-Ulrich Arnecke erläuterte die Idee. Am 22. September solle die Innenstadt, analog zur Verkehrsführung am Martinimarkt, für Autofahrer gesperrt bleiben. Der "europaweite autofreie Tag", zu dem das Klimabündnis gemeinsam mit dem Deutschen Städtetag, dem Städte- und Gemeindebund und der Europäischen Union aufruft, sollte von Blomberg als Mitglied des Klimabündnisses positiv aufgenommen werden, lautete die Begründung der Grünen.

Doch die Mehrheit der Ausschussmitglieder zeigt sich wie übrigens auch die Förderkreis Blomberger Einzelhandel in einer Stellungnahme - wenig erfreut: "Wir sind der Meinung, dass die Sperrung einer so winzigen Stadt wenig Außenwirkung hätte", so Brigitte Stölting (CDU). Sie gab zu Bedenken, dass es durch die Maßnahme gerade am Freitag Ärger mit den Beschickern des Wochenmarktes geben werde: "Besser wäre es, der Rat setzte ein Zeichen und sich gemeinsam aufs Fahrrad", ermunterte Stölting. Dr. Siegfried Pilgrim schlug in die gleiche Kerbe: "Nur weil es Mode ist, sollte die Stadt da nicht mitmachen." Der autofreie Tag sei mehr als Appell an die Autofahrer gedacht, ihr Fahrzeug stehen zu lassen. Drastische verkehrliche Einschränkungen plane keine Stadt im Lippischen, so Pilgrim.

Umweltausschussvorsitzender Hans-Ulrich Retzlaff (SPD) machte keinen Hehl daraus, dass er persönlich den Vorschlag der Grünen unterstütze, wenn sich auch in seiner Fraktion keine Mehrheit dafür finden ließe.

Das Straßenverkehrsamt hatte von dem "Versuchsballon", wie es Arnecke formulierte, abgeraten. Deutliche Kritik übte Retzlaff an dem arroganten Zungenschlag des Schreibens aus dem Kreishaus. Der Brief des Sachbearbeiters sei "beschämend".