LZ vom Donnerstag, 15.02.01:

Die Technik des bleifreien Fußes

Erfahrungen beim Detmolder Spritsparkursus oder Sprit zu sparen braucht starke Nerven

Von Stefan Derschum

Detmold. Die Nerven sind es, die lernen müssen, mit der Situation fertig zu werden: mit dem Wagen an der Ampel zu stehen, ohne dass ein Laut aus dem Motorraum ans Fahrerohr dringt, und keine leichte Vibration signalisiert, dass man bei Grün einfach nur Gas geben muss. Der Motor ist aus, weil lange genug mindestens 20 Sekunden Rot ist, und die Pferdestärken in diesen Momenten nicht verlangt werden. So will es eine der Verhaltensregeln beim Detmolder Spritsparkursus.

Einsparerfolge, die die Automobilindustrie in die Schlagzeilen drängen würden, wenn sie ein Resultat revolutionärer Technik wären, derartige Resultate schlummern im menschlichen Faktor der mobilen Gesellschaft. "Der Spritverbrauch lässt sich in Größenordnungen von 10 bis in Extremfällen zu 40 Prozent reduzieren, wenn alle Verhaltensregeln für Benzin sparendes Fahren rigoros umgesetzt werden", sagt der Lagenser Fahrlehrer Manfred Kamphausen, der vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat 1997 zum Seminarleiter für sicheres und Sprit sparendes Fahren ausgebildet wurde und den Detmolder Spritsparkursus leitet.

Dem Bleifuß soll also der Garaus gemacht werden, um Zapfsäulenbegegnungen seltener werden zu lassen. Das ist das Anliegen von Walter Sauter, Umweltschutzbeauftragter der Stadt Detmold. Als solcher begann er etwa vor einem halben Jahr nach Angeboten zu suchen, die in Detmold eine Spritspar-Aktion realisieren sollten, und stieß unter anderem auf den Lagenser Spritsparexperten. "Wir wollen die Kurse in Zukunft möglichst öffentlich anbieten und hoffen, dass die Nachfrage groß genug wird, um zwei, drei Anbieter damit auszulasten", sagt Walter Sauter und wirbt: "Die Teilnahme kostet ungefähr 100 Mark. Für die ersten 200 Detmolder, die bei einem solchen Kursus mitmachen, werden wir 20 Prozent der Kosten übernehmen."

Vor dem ersten offiziellen Kursus, für den unter anderem Detmolds Bürgermeister Friedrich Brakemeier und Landrat Friedel Heuwinkel ihre Teilnahme am kommenden Donnerstag bereits zugesagt haben, zeigte Manfred Kamphausen gestern, wie es funktioniert, das Spritsparen auf Detmolds Straßen. Eine Rundfahrt offenbarte dabei Einsparpotenziale an Geraden, Kurven und Kreuzungen, wenn ohne Blick auf die Tanknadel das Auto mobil gemacht wird. Erfahrungen: Rolf Niemeyer ist als Fahrer von Regierungspräsidentin Christa Vennegerts ein Profi am Lenkrad. Ruckfrei steuert er den Mazda über die erste Etappe der Rundfahrt von der Gaststätte "Ellernkrug" bis zum "Aldi" in Remmighausen, und am Ende leuchtet eine beeindruckende "7,6" auf der Anzeige des Verbrauchscomputers in der silbernen Familienlimousine. Sabine Loske vom Umweltteam der Stadt Detmold muss ran und besticht an der ersten Ampel vor dem Leopoldinum, als sie souverän den Motor ausstellt: "Jetzt fangen die Tricks an." Und die Tricks helfen offenbar: 7,8 Liter auf hundert Kilometer im Innenstadtverkehr bis zum Arbeitsamt.

Jetzt die Presse. Während der Fahrt über Hiddesen und Pivitsheide zum Ausgangspunkt der Rundstrecke klingeln und mahnen permanent irgendwo aufgeschnappte Tipps das Fahrerhirn: "Möglichst früh die Gänge hochschalten. Vorausschauend fahren. Und an der Ampel: Motor aus." Am Ziel steht eine ruhmreiche "7,0", und der Profi aus Lage lobt: "Gut." Doch aus dem "Gut" soll ein "Sehr gut" werden.

Im Theorieteil erklärt Manfred Kamphausen die Regeln, deren Umsetzung nicht immer leicht fallen dürfte. Denn am Anfang seiner Erklärungen steht die Gelassenheit: "Fahren Sie gelassen, und halten Sie immer genügend Sicherheitsabstand, um sich einen Spielraum für ihre Entscheidungen beim Fahren zu schaffen." Dann räumt der Fahrlehrer ein: "Das ist am schwersten zu beeinflussen, denn gelassen möchten wir immer sein, aber wir können es nicht: Zeitnot, Stress und so weiter ..." Weitere Empfehlungen des Fachmanns folgen: Korrekter Luftdruck, niedrige Drehzahlen (Kamphausen: "Bei fast allen Fahrzeugen ist es möglich, unter 2000 Touren zu schalten"), Schwung ausnutzen, Motor an Ampeln abschalten, Ballast entfernen.

Dann fährt er mit auf der zweiten Runde und korrigiert das Fahrverhalten, damit der Motor weniger schluckt. Wieder beginnt der Profi. Kamphausen: "Schalten Sie jetzt schon in den 5. Gang. Lassen Sie ihn im 5. Gang. Versuchen Sie den Berg doch mal im 4. Gang." Rolf Niemeyer zeigt Nerven: "Nee, das kann ich nicht. Ich will doch den Motor nicht quälen." Sagt es und schaltet runter. "Sie hätten den Motor nicht gequält." Einen Ratschlag ausgeschlagen, doch am "Aldi" jubelt trotzdem eine "6,7" auf der Anzeige. Erfolg.

Und die Presse? Eine schwer zu unterbietende "7,0" wurde im zweiten Durchgang nur um "0,1" nach unten geschraubt. An der letzten Ampel hatten sie leider gefehlt die Nerven für einen stummen Motor.

Informationen zu den Spritsparkursen beim Team Umweltschutz unter (05231)977313 oder bei Manfred Kamphausen, (05232)61988.